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2016-08-17 11:35:00 CET

More than sports: Beach Volleyball ist der heimliche Turnierstar

Nirgends stehen die Zuschauer so lange an wie an der Copacabana. Mit drei brasilianischen Teams im Rennen um das Podium steuert das Turnier am berühmtesten Strand der Welt auf seinen Höhepunkt zu.

Der Bildschirm ist riesig. Er hängt gut sichtbar für alle Athleten im Kraftraum. Hier im Dorf, wo alle Sportler wohnen und sich trimmen, treffen die unterschiedlichsten Charaktere und Körper aufeinander: Ein 120 Kilogramm schwerer Gewichtheber stemmt gerade die Hantel, während sich neben ihm ein schmaler, drahtiger Marathonläufer dehnt. Eines haben beide mit den Handballern, Volleyballern und Schwimmern gemeinsam, die ebenfalls gerade ihre Muskeln auf den nächsten Wettbewerb vorbereiten: Immer wieder starren sie auf den überdimensionalen Bildschirm, denn dort spielen gerade Pedro/Evandro gegen Samoilov/Smedins um den Einzug ins Achtelfinale.

Im Kraftraum in Barra konzentriert sich der Großteil der Athleten auf das Beach-Volleyball-Spiel. Foto: Ninja PriesterjahnIm Kraftraum in Barra konzentriert sich der Großteil der Athleten auf das Beach-Volleyball-Spiel. Foto: Ninja Priesterjahn

US-Basketball Team zu Gast an der Copacabana

Beach Volleyball fasziniert die Massen bei dem sportlichen Großereignis in Brasilien. Neben Volleyball ist es der Sport, für den die meisten Tickets verkauft wurden. Zum Viertelfinale von Kerri Walsh und April Ross reisten sogar die vielleicht größten Stars des Turniers an die Copacabana: Die US-amerikanische Nationalmannschaft der Basketballer. Zu ihrem Glück durften sie durch den Athleteneingang hinein, denn weder bei der Leichtathletik noch beim Basketball muss man so lange anstehen wie an der Strandpromenade der Copacabana, um in das 12.000 Personen fassende Stadion zu gelangen. Die, die es nicht schaffen, verfolgen das Geschehen, wie die meisten Profi-Sportler vor dem Fernseher. „Wenn Beach Volleyball auf den Bildschirmen in den Straßen läuft, bleiben alle stehen und schauen zu. Das ist eine Situation, die man bei uns in Deutschland nur vom Fußball kennt“, sagt Julius Brink. „Das ist schon cool, dass unsere Sportart hier mal ein ganz anderes Licht bekommt“, findet der Goldmedaillengewinner von London 2012.

Überall wird die Begeisterung für den Sport deutlich, so sind im Verkaufsshop neben Tennis die T-Shirts mit dem Logo für Beach Volleyball als erstes ausverkauft, an den Bierständen entbrennen regelrechte Kämpfe, denn das Organisationskomitee hatte eine tolle Idee für den Getränkeausschank: Mit jedem Bier kauft sich der Zuschauer gleichzeitig einen hochwertigen gelben Becher, auf dem eine der Sportarten abgebildet ist, die derzeit an den unterschiedlichen Sportstätten in Brasilien ausgeübt wird. Alle sammeln wie verrückt alles vom Zehnkampf bis zum Turmspringen. Einen Becher mit dem Logo für Beach Volleyball zu erstehen, ist nach dem vierten Tag der Wettkämpfe kaum noch möglich. 

Beach Volleyball ist der heißbegehrteste Sport in Brasilien. Foto: Ninja Priester-jahnBeach Volleyball ist der heißbegehrteste Sport in Brasilien. Foto: Ninja Priester-jahn

Nationalstolz und Gerechtigkeitssinn

Klappt es nicht, sind die Brasilianer aber nicht frustriert, ohnehin haben sie eine weitaus entspanntere Art, die Dinge anzugehen als wir Europäer. Das kann schon mal nerven, wenn man es im Supermarkt eilig hat, trägt aber insgesamt eher zur Erholung bei. Laut werden die Cariocas nur selten, dann aber richtig. So fand kürzlich an der Bahnstation in Barra da Tijuca ein beeindruckendes Pfeifkonzert statt: Alle Sportfans hatten sich brav angestellt, um an den dafür vorgesehenen Eingängen in die Metro zu gelangen, als ein russisches Pärchen versuchte, das vorgegebene Muster zu durchbrechen und sich vorzudrängeln. Da hallten hunderte Buhrufe und Pfiffe über Bahnsteig, bis das sich Paar beeindruckt wieder einreihte.

Auch einige Athleten haben derartige Pfeifkonzerte schon erlebt. Laut werden die Cariocas nämlich auch, wenn sie ihre Landsmänner- und frauen anfeuern, dann mit voller Energie. Da können sie auch schon mal ein bisschen gemein werden, zum Beispiel brüllten sie bei Phil Dalhausser und Nick Lucena immer „Ooooh, Zika“ in dem Aufschlag, weil sie mitbekommen hatten, dass die US-Amerikaner sich vor der Veranstaltung um den Zika-Virus gesorgt hatten. Drei Teams haben die Brasilianer noch im Rennen im Kampf um die Medaillen, die Gegner können sich schon einmal auf ordentlich Gegenwind einstellen am berühmtesten Strand der Welt – und wer ein Ticket gebucht hat, sollte sich rechtzeitig anstellen, sonst bleibt nur der große Bildschirm.

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